KI in der Schule, auf der Uhr und vor Gericht: Wer hat hier eigentlich die Kontrolle?
Wie verändert KI unseren Alltag – auch da, wo wir es nicht merken? Wird aus KI-Begeisterung langsam gesunde Skepsis?
Ob im Klassenzimmer, am Handgelenk oder im Gerichtssaal – künstliche Intelligenz mischt sich immer stärker in unseren Alltag ein. Heute werfen wir einen Blick auf neue Entwicklungen, die zeigen: KI ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Realität mit Folgen – guten wie problematischen.
Forschung & Entwicklung
KI im Klassenzimmer: Wenn Faktenprüfung zur Überlebensstrategie wird
Hausaufgabenhilfe per Chatbot, Sprachtraining mit KI und Zusammenfassungen auf Knopfdruck – für viele Schüler:innen ist das längst Alltag. Laut der Studie „StudentsSpeakAI“ von BrightCHAMPS nutzen Jugendliche weltweit KI-Tools zunehmend wie Taschenrechner. Problematisch wird es, wenn dabei das kritische Denken auf der Strecke bleibt. Denn KI liefert nicht immer die richtige Antwort – aber oft eine sehr überzeugende.
Die Studie fordert deshalb mehr „AI Literacy“ in Schulen – also den bewussten, reflektierten Umgang mit KI. Ein bisschen so, als würde man nicht nur Auto fahren lernen, sondern auch wissen, wie man die Bremse findet, wenn der Autopilot spinnt.
Quelle: Analytics India Magazine
Mit KI gegen Krankheiten: Die Scanwatch 2 denkt mit
Die neue Hybrid-Smartwatch von Withings sieht aus wie eine klassische Uhr, denkt aber wie ein Miniarzt. Die Scanwatch 2 analysiert mit Hilfe künstlicher Intelligenz Gesundheitsdaten wie Temperaturverläufe und Atemmuster. Ziel: Krankheiten erkennen, bevor sie spürbar werden. Und das mit einer Akkulaufzeit von bis zu 35 Tagen – fast schon meditativ entschleunigt in einer Welt, in der alles ständig „smart“ sein muss.
Ob die Uhr irgendwann auch schlechte Gewohnheiten erkennt („Du brauchst keinen dritten Espresso!“) bleibt offen – aber wer weiß, was die nächste Generation bringt.
Quelle: Golem
Modelle & Unternehmen
OpenAI öffnet endlich wieder die Box: Sprachmodelle mit offenen Gewichten
Ein großer Schritt für Entwickler – ein kleiner Rückzieher für die Geheimniskrämerei: OpenAI hat mit „gpt-oss“ zum ersten Mal seit Jahren wieder Sprachmodelle mit offenen Gewichten veröffentlicht. Das bedeutet: Jeder kann den Code einsehen, anpassen und weiterentwickeln. Für viele in der KI-Community ist das ein Befreiungsschlag – und eine Rückkehr zu den Open-Source-Wurzeln, die OpenAI einst prägten.
Ob der Schritt echte Transparenz bringt oder nur ein PR-Strohfeuer bleibt? Man darf gespannt sein – und weiter kritisch hinschauen.
Quelle: Hacker Noon AI
350 Millionen für den Kunden-KI-Agenten: Sierra hebt ab
Das US-Startup Sierra hat sich stolze 350 Millionen Dollar frisches Kapital gesichert – und wird nun mit 10 Milliarden bewertet. Der Clou: Sierra entwickelt KI-Agenten, die Kundenservice automatisieren. Statt Warteschleifen gibt’s smarte Antworten in Sekundenschnelle. Kunden wie SoFi, Ramp und Brex sind schon an Bord.
Ob das der Tod des klassischen Callcenters ist – oder nur der nächste Hype, der an echten Menschen scheitert? Noch klingt alles sehr freundlich. Aber wer schon mal mit einem überambitionierten Chatbot gestritten hat, weiß: KI kann auch sehr unhöflich höflich sein.
Quelle: TechCrunch AI
Gesellschaft & Politik
Rasenmäher mit KI: Roborock greift draußen an
Staubsauger kennen wir. Jetzt will Roborock auch den Garten erobern – mit seinen ersten KI-basierten Rasenrobotern. Vorgestellt auf der IFA 2025, sollen die smarten Helfer nicht nur selbstständig mähen, sondern auch Hindernisse erkennen und lernen, wo der Gänseblümchen-Streifen bleibt. Mit dabei: ein ultraflacher Staubsauger, der unter fast jedes Sofa passt.
Was kommt als Nächstes? Ein KI-Roboter, der Unkraut erkennt und höflich fragt, ob er es entfernen darf? Oder einer, der bei schlechtem Wetter lieber drinnen bleibt?
Quelle: CNET
Generative KI
Batman vor Gericht: Warner Bros. verklagt Midjourney
Die KI kann’s – aber darf sie’s auch? Warner Bros. Discovery hat Midjourney verklagt, weil die Bild-KI angeblich massenhaft unerlaubte Kopien von Batman, Joker & Co generiert hat. Der Vorwurf: Urheberrechtsverletzung im großen Stil. Midjourney nutze geschützte Charaktere, als seien sie Allgemeingut.
Die Debatte ist alt, aber brandaktuell: Wenn eine KI ein Bild „malt“, das aussieht wie aus einem DC-Comic – ist das dann kreativ oder kriminell? Und wer haftet eigentlich: die KI oder der User am anderen Ende?
Quelle: The Verge AI
Google macht Fotos lebendig – mit KI-Videos aus Bildern
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – aber ein Mini-Video sagt noch mehr. Google integriert seine generative Video-KI Veo 3 in Google Photos. Damit können Nutzer:innen aus statischen Bildern kleine animierte Clips zaubern. Zwei Optionen stehen zur Wahl: „Subtile Bewegung“ für die Vorsichtigen, „Ich fühl mich mutig“ für Experimentierfreudige. Klingt wie ein KI-Poesiealbum für Millennials.
Was bislang nur KI-Künstlern vorbehalten war, wird damit zum Mainstream-Spielzeug. Aber Vorsicht: Wenn plötzlich jedes Urlaubsfoto wackelt, wird’s vielleicht doch ein bisschen zu lebendig…
Quelle: The Verge AI
Fazit
Ob im Klassenzimmer, auf der Smartwatch oder im Urheberrechtsstreit – KI ist längst mehr als nur Technologie. Sie ist Spiegel, Werkzeug und manchmal auch Stolperfalle. Vielleicht ist die wichtigste Fähigkeit der Zukunft nicht, wie gut wir KI nutzen – sondern wie gut wir sie hinterfragen.

