Wenn KI Gefühle weckt – oder verlorene Filmkunst rettet
Wie viel Nähe darf künstlich sein? Und kann KI auch Kultur bewahren statt nur Content produzieren?
Ob beim Versuch, einen Filmklassiker zu restaurieren, oder bei der Frage, ob ein virtueller Lebenspartner reicht – KI bewegt sich immer öfter zwischen Technik und Emotion. Zwei aktuelle Entwicklungen zeigen, wo dabei die Grenzen (noch) liegen – und wo sie verschwimmen.
Forschung & Entwicklung
KI soll herausgeschnittene Szenen aus Filmklassiker rekonstruieren
Ein Team aus Forschenden und Filmfans wagt sich an ein fast mythisches Projekt: Die verlorenen Passagen von Orson Welles’ „The Magnificent Ambersons“ sollen mithilfe eines KI-Modells rekonstruiert werden. Das Originalmaterial wurde vor Jahrzehnten von Studio-Bossen weggeschnitten und vernichtet. Jetzt soll Künstliche Intelligenz auf Basis von Fotos, Drehbuchfragmenten und Welles’ Stil eine neue Version erschaffen – quasi ein cineastischer Frankenstein, zusammengesetzt aus Daten und Träumen. Ob das Ergebnis Kunst oder Kuriosität wird, bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Auch die Muse küsst mittlerweile digital.
Quelle: t3n Magazine
Mit KI gegen die Einsamkeit: Virtueller Lebenspartner Dot geht offline
Er war charmant, verständnisvoll – und komplett synthetisch: Der KI-basierte Lebensbegleiter „Dot“ versprach emotionale Nähe per App. Doch nach nur einem Jahr zieht das Unternehmen den Stecker. Trotz wachsender Nachfrage nach digitalen Freundschaften scheint die Illusion vom perfekten Partner aus Code und Cloud doch schneller zu verblassen als gedacht. Vielleicht, weil echte Beziehungen mehr brauchen als gute Prompt-Verarbeitung. Oder weil der Algorithmus keine kalten Füße bekommt – aber auch keine warmen Hände.
Quelle: t3n Magazine
Modelle & Unternehmen
Seekabel-Ausfall: Microsoft warnt vor KI-Verlangsamung in der Cloud
Ein technisches Problem mit geopolitischem Beigeschmack: Zwei wichtige Seekabel im Roten Meer sind ausgefallen, darunter SMW4 und IMEWE. Microsoft warnt deshalb vor längeren Ladezeiten bei Azure – der Cloud-Plattform, auf der auch viele KI-Dienste laufen. Wer also gerade ein großes Sprachmodell trainiert oder eine KI-Anwendung hostet, könnte spüren, wie die Datenströme ins Stocken geraten. Das erinnert uns daran: Auch die schlauste KI bleibt ein digitales Fischlein – und braucht schnelle Leitungen, um zu schwimmen.
Quelle: Golem
Gesellschaft & Politik
Weniger arbeiten – dank KI? Noch nicht ganz
Laut einer neuen Umfrage des DGB wünschen sich über die Hälfte der Deutschen kürzere Arbeitszeiten. Doch oft fehlt dafür das nötige Einkommen. Und obwohl KI verspricht, Arbeit effizienter zu machen, scheint sie bisher eher Zusatzarbeit zu schaffen als Freiräume. Automatisierung ersetzt eben nicht automatisch den Chef – oder die Miete. Vielleicht müssen wir erst lernen, wie man mit KI nicht nur produktiver, sondern auch menschlicher lebt. Und wer weiß: Vielleicht ist die Vier-Tage-Woche bald ein Feature im nächsten Software-Update?
Quelle: t3n Magazine
Fazit
Ob KI nun alte Filme repariert oder neue Beziehungen simuliert – sie kratzt immer öfter an der Grenze zwischen Technik und Menschlichkeit. Die Frage ist nicht nur, was sie kann, sondern was wir mit ihr wollen. Vielleicht brauchen wir weniger Superintelligenz – und mehr gesunden Menschenverstand.

