Wenn Ratten Doom spielen und Startups Moleküle modellieren
Welche KI-Erfindung von heute bleibt – und welche verpufft wieder leise? Was bedeutet Kreativität, wenn Tiere, Maschinen und Modelle plötzlich mitspielen?
Von ballernden Ratten bis zu molekularen Medikamentenjägern: Die KI-Welt bleibt schillernd, überraschend – und manchmal auch etwas absurd. Heute werfen wir einen Blick auf Startups mit Milliardenvisionen, auf ein koreanisches Modell mit globalem Ehrgeiz und auf ein tierisches Experiment, das fast schon nach Science-Fiction klingt.
Forschung & Entwicklung
Ratten, die Doom spielen: Jetzt können sie auch schießen
Science-Fiction oder Science-Fact? Der ungarische Neurowissenschaftler Viktor Tóth hat 2021 Schlagzeilen gemacht, als er Ratten beibrachte, das Videospiel Doom zu spielen – mit Bewegungen, die über ein neuronales Interface in Spielaktionen übersetzt wurden. Bisher konnten die Nager nur laufen. Jetzt aber, dank eines Hardware-Upgrades, können sie auch schießen. Die Steuerung erfolgt über das Erkennen von Hirnströmen, die mit bestimmten Aktionen verknüpft sind – eine Art biologisches Joystick-System. Was wie ein Partytrick wirkt, ist tatsächlich ein Schritt in Richtung Brain-Computer-Interfaces, die auch bei gelähmten Menschen zum Einsatz kommen könnten.
Quelle: t3n Magazine
Modelle & Unternehmen
Warum viele KI-Startups bei Konsumenten floppen – laut Investoren
Die Erwartungen an KI im Alltag waren riesig – doch viele Apps und Tools floppen schneller als ein schlecht trainiertes Sprachmodell. Laut führenden Risikokapitalgebern (VCs) fehlt es den meisten Consumer-KI-Startups an echtem Mehrwert, nachhaltiger Nutzerbindung und – Überraschung – an einem neuen Gerätetyp. Denn: Wer will schon den hundertsten Chatbot in der Handy-App? Die nächste Welle könnte also nicht nur Software, sondern auch Hardware bringen – etwa KI-Brillen oder persönliche Assistenten abseits des Smartphones. Oder wird KI erst dann spannend, wenn sie unsichtbar wird?
Quelle: TechCrunch AI
OpenAI unterstützt Biotech-Startup mit 130 Millionen Dollar
Das US-Startup Chai Discovery hat sich auf eine ganz besondere Form von KI spezialisiert: das Erkennen und Vorhersagen von Wechselwirkungen zwischen Molekülen – mithilfe sogenannter Foundation Models, also großen KI-Modellen, die auf breiten Datenmengen trainiert sind. Ziel ist es, Medikamente schneller zu entwickeln, indem man vorhandene Wirkstoffe „umprogrammiert“. Investoren sehen viel Potenzial: Die Serie-B-Runde brachte 130 Millionen Dollar ein, bei einer Bewertung von 1,3 Milliarden. KI als Molekül-Matcher – ist das der neue Goldrausch der Pharmaindustrie?
Quelle: TechCrunch AI
Gesellschaft & Politik
Beinahe-Kollision im All: Starlink-Satellit trifft auf chinesischen KI-Kollegen
Neben den vielen KI-Experimenten auf der Erde wird auch im All immer intelligenter gesteuert – aber offenbar nicht immer abgestimmt. Ein chinesischer Satellit kam einem Starlink-Satelliten bedrohlich nahe: nur 200 Meter trennten die beiden. Brisant, denn viele dieser Satelliten nutzen autonome Systeme zur Navigation, oft mit KI-Unterstützung. Der Vorfall zeigt: Auch im Orbit brauchen wir dringend Regeln – bevor aus autonomen Systemen autonome Kollisionen werden. Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, wenn zwei künstlich intelligente Satelliten sich „versehentlich“ anrempeln?
Quelle: t3n Magazine
Generative KI
Koreanisches Startup Motif zeigt, wie man große Sprachmodelle wirklich nützlich macht
Während sich in den USA und China die KI-Giganten mit immer größeren Sprachmodellen überbieten, verfolgt das südkoreanische Startup Motif einen anderen Ansatz: weniger Show, mehr Substanz. Das Unternehmen entwickelt sogenannte „Enterprise LLMs“, also große Sprachmodelle speziell für Unternehmen – angepasst an deren Sprache, Daten und Bedürfnisse. In einem neuen Bericht nennt Motif vier zentrale Lektionen: darunter „nicht alles selbst bauen“, „Domänenwissen integrieren“ und „Datensicherheit ernst nehmen“. Ein Modell, das die Sprache von Versicherungen, Banken oder Autoherstellern spricht – statt nur über Katzenvideos zu plaudern. Vielleicht liegt die Zukunft der generativen KI ja nicht im Spektakel, sondern im Alltag?
Quelle: VentureBeat AI
Fazit
Ratten zocken, Moleküle kommunizieren, Startups philosophieren – KI ist längst überall, nur selten da, wo man sie erwartet. Vielleicht ist das der wahre Trick: Die Zukunft kommt nicht mit Paukenschlag, sondern mit einem leisen „Klick“ auf der Hirn-Maus. Wer heute noch schmunzelt, wenn eine Ratte Doom spielt, unterschätzt vielleicht schon das nächste große Interface.

