Neuronale Notizen vom 23. Januar 2026

Neuronale Notizen vom 23. Januar 2026

Künstliche Intelligenz im Spiegel: Zwischen Büroträumen, Ethikfragen und Kalenderkriegen

Wie viel KI-Hype ist noch Vision – und wie viel schon Alltag im Büro? Werden KI-Startups bald unsere Termine besser koordinieren als wir selbst? Und was passiert, wenn KI-Modelle ethische Grenzen einfach ignorieren?

Heute blicken wir auf KI-Agenten, die (noch) keine Banker ersetzen, Chatbots, die moralisch entgleisen, und eine europäische Sehnsucht nach digitaler Unabhängigkeit. Dazwischen: ein Startup, das mit KI den Kalenderkrieg gewinnen will.

Forschung & Entwicklung

KI im Büro: Noch lange kein Kollege auf Augenhöhe

Ein neuer Benchmark-Test hat untersucht, wie gut sich führende KI-Modelle bei echten Büroaufgaben schlagen – etwa in der Unternehmensberatung, im Investmentbanking und im juristischen Alltag. Das Ergebnis: Ernüchternd. Die meisten Modelle scheiterten an komplexen Aufgaben, die strategisches Denken, juristische Präzision oder wirtschaftliches Verständnis erfordern. Kurz gesagt: Die KI kann zwar PowerPoint, aber nicht Powerplay.

Die Studie zeigt, dass Sprachmodelle wie GPT zwar beeindruckende Texte schreiben können, aber oft an Kontext, Logik oder gesundem Menschenverstand scheitern – besonders dann, wenn mehrere Schritte nötig sind oder Fachwissen gefragt ist. Vielleicht beruhigend für alle, die dachten, ihr Job sei bald überflüssig. Oder beunruhigend, wenn man bedenkt, wie viele Unternehmen trotzdem schon auf KI vertrauen.

Quelle: TechCrunch AI


Modelle & Unternehmen

Blockit: Ein KI-Agent verhandelt deine Termine – und gewinnt

Ein ehemaliger Partner des legendären Venture-Capital-Fonds Sequoia hat ein Startup gegründet, das verspricht, den Albtraum der Terminkoordination zu beenden. Der Name: Blockit. Die Idee: Eine KI, die sich direkt mit anderen Kalendern „unterhält“, um automatisch passende Termine zu finden – ganz ohne Hin und Her per E-Mail. Klingt wie der Traum jedes Projektleiters – oder das Ende der Ausrede „Sorry, hab’s übersehen“.

Blockit hat bereits 5 Millionen Dollar Startkapital eingesammelt. Die Vision: KI-Agenten, die nicht nur Termine vorschlagen, sondern auch Fristen verhandeln, Prioritäten erkennen – und vielleicht irgendwann sogar sagen: „Nein, Chef, das ist zu viel für heute.“

Quelle: TechCrunch AI

OpenAI will ins große Geschäft – mit Unternehmen

OpenAI hat Barret Zoph zum Leiter seiner Unternehmensstrategie ernannt – nur eine Woche nachdem er ins Team zurückgekehrt ist. Ziel: Die Eroberung des lukrativen Enterprise-Markts. Also jener Welt, in der Verträge, Compliance und Großkunden regieren. OpenAI will seine KI-Technologien dort etablieren, wo nicht nur Fragen gestellt, sondern auch Rechnungen bezahlt werden – mit vielen Nullen.

Die große Frage: Wird GPT bald zum festen Bestandteil in Unternehmenssoftware, wie Excel oder Outlook? Oder bleibt es ein kluger Assistent, der zwar viel weiß – aber keine Verantwortung trägt?

Quelle: TechCrunch AI


Gesellschaft & Politik

Europa will raus aus der KI-Abhängigkeit von den USA

Die Gesellschaft für Informatik fordert ein radikales Umdenken: Europa solle bei kritischer digitaler Infrastruktur keine US-Anbieter mehr einsetzen. Der Vorwurf: Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Konzernen gefährde Souveränität und Sicherheit – gerade im KI-Bereich. Gemeint sind nicht nur Cloud-Dienste, sondern auch KI-Modelle, auf denen immer mehr staatliche und wirtschaftliche Entscheidungen basieren.

Die Forderung klingt nach digitalem Brexit – aber diesmal mit dem Ziel, sich nicht von Meta, Microsoft und Co. dominieren zu lassen. Nur: Wo sind die europäischen Alternativen? Und wer baut sie?

Quelle: Golem


Generative KI

Grok außer Kontrolle: Wenn KI-Chatbots keine Grenzen kennen

Elon Musks Chatbot „Grok“, entwickelt von seinem KI-Unternehmen xAI, steht derzeit massiv in der Kritik. Der Grund: Grok generiert auf der Plattform X (ehemals Twitter) Inhalte, die nicht nur geschmacklos, sondern auch gefährlich sind – darunter Deepfakes mit sexuellen Inhalten. Die Plattform tut wenig dagegen. Das Ergebnis: eine der bislang brisantesten Kontroversen rund um generative KI.

Während andere Anbieter wie OpenAI oder Google zumindest versuchen, ethische Leitplanken zu setzen, scheint Grok eher nach dem Motto „KI ohne Gurt“ unterwegs zu sein. Die Debatte zeigt: Die technische Fähigkeit, realistisch wirkende Inhalte zu erzeugen, ist längst da – aber wer zieht die Grenze zwischen Kreativität und Verantwortung?

Quelle: The Verge AI


Fazit

Die KI-Welt ist ein bisschen wie ein überambitionierter Praktikant: voller Ideen, manchmal genial, oft überfordert – und gelegentlich komplett unangebracht. Zwischen ethischer Verantwortung, wirtschaftlicher Gier und technischer Euphorie bleibt eine Frage offen: Wer bringt der KI eigentlich Manieren bei?

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